20.10.2009

Leserattenparadies Buchmesse: Warum ich gern "Nr. 5" wäre...

Letzten Freitag hab ich mir mal wieder einen Betriebsausflug mit meinem Mentor Bernie gegönnt. Buchmesse. Aufregend. Gigantisch. Und endlich mal wieder in meinem geliebten Frankfurt! Nur meine Füße waren hinterher platt.

Hab mich auch gleich blamiert. Ich war schon so oft in der Festhalle zu Seminaren mit Tony Robbins und Joseph McClendon. Und habe mich tatsächlich gefragt, wieso ich das riesen Messegelände übersehen konnte. War wohl zu Tony-hypnotisiert um zu merken, dass ich jedesmal mittendrin war. Peinlich...

Aber egal. Die tollen Erinnerungen an meine Feuerläufe des Nachts zu Füßen der Festhalle, die tolle Stimmung mit all den Menschen aus aller Welt... das tat gut. Und ich besuchte den Platz, an dem ich mir vor 7 Jahren das Rauchen schlagartig abgewöhnt hatte. Problemlos. In Anbetracht der zahlreichen Lebenshilfe- und Erfolgsratgeber für alle Lebenslagen auf der Buchmesse war ich thematisch nicht weit von meinen früheren Festhallen-Erlebnissen entfernt.

"Input! Input! Input!"

Wie dem auch sei... jetzt war ich das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse. Trotz der freiwilligen Beschränkung auf den Besuch der Fachbuchstände ein unglaubliches Paradies für mich Leseratte. Kennen Sie noch den lustigen Film "Nr. 5" aus den 80er Jahren? Dieser süße Roboter, der in wenigen Minuten eine ganze Stadtbücherei auslesen konnte und auch noch alles gespeichert hatte, was er da gelesen hat. Das könnte ich auch gern. Mal eben 1000 Bücher lesen.

Zu meiner Freude als Verkaufstexterin präsentierten die Verlage eine riesige Menge Ratgeberliteratur für alle Lebensbereiche und Businesssparten. Da warten gaaaanz viele Bücher, Sammelwerke und elektronische Angebote auf ihre erfolgreiche Vermarktung. Soweit ich aus meinen Recherchen und Gesprächen festgestellt habe, setzen immer noch die meisten Fachverlage auf klassisches Marketing, klassische Vertriebswege und klassisches Onlinemarketing. Das schreit nach neuen Strategien und emotionalen, verkaufsstarken Landingpages! ;-)

Interessante Erkenntnisse zwischen zwei Häppchen

Beim leckeren Schmaus, zu dem wir vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft eingeladen waren, wurde ich überrascht. Es werden mehr Telefonbücher nachgefragt denn je! Das verriet uns ein Gesprächspartner, der in Bonn Telefonbücher verlegt. Ich war verblüfft. Hätte gedacht, sowas Verstaubtes wäre längst aus der Mode. Aber nein.

Nach wie vor gelten Anzeigen in den Gelben Seiten als wichtiges Marketing-Instrument. Und es werden auch häufiger historische Telefonbücher für allerhand Recherchen nachgefragt. Das war richtig spannend. Vorurteile sind eben Urteile vor Faktenkenntnis ;-).

Mein Fazit: Da gibt es noch viel zu tun, um Verlagen die effizienten und innovativen Direktmarketingstrategien näher zu bringen, mit denen sie nicht nur Werbekosten sparen, sondern auch noch mehr Umsatz machen. Der klassische Weg vorrangig über den Buchhandel und Onlineshops ist zu weit weg vom Kunden, um das wahre Umsatzpotenzial gerade im Ratgeberbereich auszuschöpfen.


Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.)

15.10.2009

Ist Ihre Werbung wie ein spontaner Schwiegermutterbesuch?

Sie mögen unangekündigten Schwiegermutterbesuch Sonntagmorgen 8 Uhr? Wenn nicht, dann kennen Sie das Gefühl, das die meisten Menschen haben, wenn sie Werbung erhalten. Und wie bei der lieben Schwiegermama ist doch immer ein bißchen Hoffnung dabei, einen netten Tag zu erleben oder einen Vorteil davon zu haben. ;-)

Fallen Sie mit Ihrem Angebot nicht mit der Tür ins Haus!

Deshalb braucht Ihr Werbebrief oder E-Mailing einen Einstieg. Nach der persönlichen Ansprache Ihres Werbeempfängers geht es im Einstieg darum, den Leser da abzuholen, wo er ist, wenn er Ihre Botschaft erhält. Stellen Sie sich am besten eine bestimmte Situation vor. Um welches Thema geht es in Ihrer Werbung und in welcher Situation öffnet der Empfänger Ihre Nachricht?

Fühlen Sie, wie sich der Mensch fühlt, der ein bestimmtes Problem hat, das Sie lösen können. Beschreiben Sie diese Situation in Ihrem Einstieg. Zeichnen Sie ein Bild in Worten, die den Leser in dem Moment zeigt, wo sein Problem gelöst ist. Versprechen Sie ihm den größten Nutzen, den Sie ihm bieten können.Fesseln Sie seine Aufmerksamkeit mit verlockenden Ideen! Hier geht es noch nicht darum, Ihr Produkt zu verkaufen, sondern Interesse zu wecken. Damit Ihre Botschaft überhaupt gelesen wird.

Der Weg zum Kunden führt über Verständnis und Emotionen

Der Einstieg sollte so lang wie nötig und so kurz und knackig wie möglich sein. Je nachdem, wie lang der gesamte Text wird, ist der Einstieg zu bemessen. Wichtig ist, den Empfänger direkt am wunden Punkt zu treffen ohne ihn hart umzurennen. Zum Beispiel: statt "Ihnen fällt es schwer, Kunden zu gewinnen. Wir zeigen Ihnen, wie das geht" könnten Sie einfühlsamer schreiben: "Es ist gar nicht so leicht, immer wieder neue Kunden zu gewinnen. Vielen Selbstständigen fällt das schwer. Was sie nicht wissen: eine einzige Änderung in der Akquisestrategie würde alles ändern...."

Verstehen Sie, was ich meine? Die Empfänger Ihrer Werbung sind in erster Linie Menschen. Sie haben Gefühle. Bestimmte Vorstellungen. Und sie befinden sich in einer konkreten Situation, wenn sie Ihre Werbebotschaft erreicht. Genau dort sollten Sie Ihre potenziellen Kunden abholen. Dann gehen sie auch freiwillig und interessiert mit Ihnen mit, statt mit jemand anderem, der sich besser auf sie einstellt. Die Zeiten sind vorbei, in denen der gewann, der am lautesten gerufen hat ;-). Viel Erfolg bei Ihrer Kundengewinnung!




Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.)

14.10.2009

Wenn die Börsenkurse fallen...

Dieses Gedicht bekam ich heute von einer Freundin zugesandt. Ähnlichkeiten mit aktuellen Ereignissen sind rein zufällig... ;-))

Wenn die Börsenkurse fallen...


Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken
– auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen
– ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Von Kurt Tucholsky (1890 -1935) 1930 in der Wochenzeitschrift "Die Weltbühne" veröffentlicht.



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09.10.2009

Eine bemerkenswerte Preisverleihung jagt die nächste - diese ist sehr umstritten: Friedensnobelpreis an Barack Obama

Heute heiß diskutiert in der Presse und allen großen Social Media Plattformen:
Friedensnobelpreis an Barack Obama verliehen. Berechtigt? Verfrüht? Messiaswahn?
Was meinen Sie? Kommentare erwünscht. Nähere Infos zum Thema hier: Directmailspezis News bei Amplify...


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08.10.2009

Die Macht der Worte - CICERO Rednerpreis 2009

Unter dem Motto "Reden wie Gott in Frankreich" lud der Verlag für die Deutsche Wirtschaft zur diesjährigen Verleihung des Rednerpreises ein. Für mich ein wundervoller Betriebsausflug als One-Woman-Business. ;-) Ich im ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Bonn! Und es gab - natürlich - Reden. Spannend, mitreißend, amüsant, intelligent, interessant, überzeugend. Gar nicht das, was wir von Reden im Bundestag gewohnt sind.
Und das habe ich für mich daraus als Erkenntnis mitgenommen: Gut vorgetragen ist schon halb überzeugt. Am überzeugendsten ist die freie Rede. Abgelesenes erweckt doch irgendwie den Eindruck des Ausgeklügelten, Diplomatischen, Beabsichtigten. Die freie Rede ist lebendig, unradierbar, ehrlich - überzeugend. Eine Fähigkeit, die den meisten aktuellen deutschen Politikern fehlt. Dadurch wirken sie m.E. langweilig und unglaubwürdig. Ob man schriftlich oder mündlich mit Worten überzeugen will - das WIE ist entscheidend.


Born to be wild im alten Bundestagsgebäude


"Born to be wild" und "Wild thing" auf Flöte, Kontrabass und Gitarre - außergewöhnliche musikalische Zwischentöne von "Wildes Holz", die für den Preisträger nicht passender hätten gewählt werden können: Europaabgeordneter der Grünen Daniel Cohn-Bendit.

Um ein Haar hätte Herr Cohn-Bendit auf seinen Sohn gehört und seinem ungeliebten Ruf als Alt-68er alle Ehre gemacht. Einen Preis von der deutschen Wirtschaft anzunehmen, wäre für ihn früher ein Fauxpas gewesen. Doch der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. Und so hat sich Cohn-Bendit - wie über ihn gesagt wurde - um 360 Grad gedreht. Er ist sich treu geblieben mit einem erweiterten Erfahrungssschatz und immer wieder neuen Einsichten. Grenzen hat es für ihn nie gegeben, sagt der in Frankreich geborene Sohn deutscher Juden.

Ehemaliger "Rädelsführer" in Studentenprotesten nimmt Preis der Deutschen Wirtschaft an


Statt die Preisverleihung nach einem schlichten "Danke" zu verlassen, gönnte er seinem Publikum eine seiner wundervollen Reden. Eine seiner hervorstechendsten Eigenschaften, die ihm den Cicero 2009 einbrachte. Was mich besonders beeindruckte: seine Größe, die Verdienste politischer Gegner zu würdigen.

Nur Helmut Kohl hätte die Weitsicht und den Mut gehabt, die deutsche Einheit in den europäischen Integrationsprozess einzubeziehen. Andere hätten das Zusammenwachsen Europas hinter die innerstaatlichen Herausforderungen zurückgestellt. Ich finde, das hat Charakter. Ich wünsche mir mehr solcher ehrlichen, überzeugenden Politiker und Redner in allen Parteien. Damit endlich wieder etwas in Bewegung kommt und Handlungen initiiert werden.



Kann man Zeiten des Wandels vergleichen?

Häufig gefragt, ob die Zeit des Wandels heute und die Atmosphäre an den Unis "wie die 68er" seien, meint Cohn-Bendit: "Nichts ist wie die 68er". Das Phänomen dieser Zeit lässt sich nicht an einigen Parallelen festmachen. Nicht vergleichen. Es war eine bestimmte Atmosphäre, Emotionen, viele Details, die "die 68er" geprägt haben. Kein Klischee.

Und ich muss lächeln, als er das versucht zu erklären. Denn ich weiß, wovon er spricht. Es ist dasselbe wie die Wendezeit 1989 in der DDR zu beschreiben, mit etwas zu vergleichen. Es geht nicht. Das kann nur empfinden und verstehen, wer live dabei war.
Keine Beschreibung kann einem so vielschichtigen geschichtlichen und menschlichen Phänomen gerecht werden. Nur eines ist den Umwälzungen gemein: das 9er Jahr. Es scheint, als ob aller 20 Jahre um die Jahrzehntwende eine gesellschaftliche Wende stattfände. Immer subtiler. Bleiben wir gespannt...



Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.)