17.11.2010

Das ging in die Hose: Guerilla-Marketing auf Messers Schneide

Guerilla-Marketing ist eine feine Sache: überraschend, frech und witzig, aufmerksamkeitsstark und - extrem preiswert. Eine super Idee für budgetschwache, kleinere Unternehmen. Vor allem sollte eine Guerilla-Marketing-Aktion aber sympathisch bei der Zielgruppe ankommen.

Und das macht es manchmal schwierig...

Für Großunternehmen ist Guerilla-Marketing noch aus anderer Sicht attraktiv: Es überrascht durch Andersartigkeit und Einzigartigkeit inmitten der üblichen Standardwerbung, die der Zielgruppe kaum noch auffällt. Bei diesen Aktionen wird garantiert über das Unternehmen gesprochen - virale Effekte verstärken die Wirkung der Werbung.

Doch genau darin liegt auch die Gefahr: Über Guerilla-Marketing-Aktionen wird garantiert gesprochen. Gut oder schlecht. Nur hier kann einem die alte Weisheit der Öffentlichkeitsarbeit böse auf die Füße fallen:

Auch schlechte Publicity ist Publicity.

Das gilt heute nicht mehr unbedingt. Die Menschen haben genug von Werteverfall und Ausbeutung (seien es Ideen, Engagement, Kapital oder Arbeit,...). Menschen, die sich für eine Sache engagieren, wollen ernst genommen werden. Sie wollen etwas erreichen durch ihr Tun.

In diese Guerilla-Falle ist der Autovermieter Sixt getappt. Mit ihrer unsäglichen Aktion bei den Protesten gegen die Atommüll-Transporte:



Überraschend? Ja! Frech? Auf jeden Fall! Witzig? Nun ja... Sympathisch? Eher nicht.

Klar, es wird über Sixt gesprochen. Tun wir hier ja jetzt auch. Na Glückwunsch! Und es gibt tatsächlich sogenannte "Werbefachleute" die meinen, Aufmerksamkeit erregen sei der Zweck der Werbung. Und das sei ja gelungen. FALSCH!

Werbung ist kein Selbstzweck.

Niemand macht Werbung um ihrer selbst willen. Außer Werbeagenturen vielleicht. Aber auch die wollen damit Geld verdienen. Oder doch nur Kreativpreise? ;-)

Genau das ist der ursprüngliche Sinn jeder Werbung: Umsatz! Geld verdienen für das werbende Unternehmen, indem die Werbung das Produkt verkauft. Nichts anderes. Image kann man sich nicht kaufen. Auch wenn Ihnen die Werbebranche gern etwas anderes einreden will, um Ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und allein von kurzzeitig erregter Aufmerksamkeit kann kein Unternehmen existieren.

Sixt hat Aufmerksamkeit erregt und Unmut. Ich weiß nicht, ob sich die Umsatzzahlen seither bei Sixt verbessert oder gar verschlechtert haben. Aber die Reaktionen der Menschen auf der Straße reichten von Empörung über die Geschmacklosigkeit, über Peinlichkeit für Sixt bis zu totalem Unverständnis hinsichtlich der Botschaft, die Sixt seinen Kunden vermitteln wollte. Gut, die Frage ist: hat das Unternehmen Sixt mit dieser Aktion überhaupt seine Zielgruppe erreicht? Welche Botschaft sollte rüberkommen? Hat es positive Umsatzeffekte? Das weiß nur Sixt allein...

Fazit: Wenn Sie Guerilla-Marketing in Betracht ziehen - legen Sie nicht spontan los ohne über Ihre Zielgruppe und deren Empfinden in diesem Zusammenhang, über das Ziel und die Botschaft Ihrer Aktion und die mögliche Wirkung für das Ansehen Ihres Unternehmens bei Ihren Kunden und in der Öffentlichkeit gründlich nachzudenken! Da nun aber Guerilla-Aktionen auch von der Spontaneität leben...

Legen Sie beinharte Grundsätze für Ihr Guerilla-Marketing fest! Was ist grundsätzlich erlaubt und was auf keinen Fall. Anhand einfacher Regeln und Checklisten lassen sich solche peinlichen Pannen wie von Sixt im Vorhinein begrenzen.

01.11.2010

Einmal Westen und zurück - 10 Jahre gelebte Grenzüberschreitung

Ein denkwürdiger Tag:

Vor genau 10 Jahren landete ich in Düsseldorf. Mit meinem alten Audi (Gott hab ihn seelig ;-)). Ganz allein am Start meiner großen Abenteuerreise durch meinen Lebensabschnitt 3.0. Was waren das schöne, lehrreiche Jahre!
Endlich habe ich mich und mein eigenes Leben gefunden. Tolle Menschen kennen gelernt, mein Weltbild erweitert, ganz neue Erfahrungen gemacht.

Mit diesen ganzen Schätzchen im Rucksack bin ich kurz vorm Beginn des Lebensabschnitts 4.0 (kann es selbst immer noch nicht glauben) wieder zurück. Gemessen an der Lebenszeit bin ich also nun 1/4 Rheinländerin ;-). Mit Vergnügen. Vermisse mein Düsseldörfchen schon von Zeit zu Zeit. Auch wenn Dresden wunderschön ist. Und es schön ist, wieder hier zu sein. Dabei wollte ich NIE zurück. Jaja...

Das Spannende daran: werde mehr und mehr zur Vermittlerin zwischen den Welten: zwischen Ost und West. Kaum zu glauben, wie viele alte Wunden und Vorurteile da immer noch auf beiden Seiten offen sind. Neid, Hähme, Unwissenheit. (Wie in der Joghurt Werbung: Erst wollen se alle rein - und dann... ;-))

Scheint wohl zu meiner Lebensaufgabe zu gehören, da für Information und Vermittlung zu sorgen... Und ich tu es ja gern. Sind immer sehr interessante Gespräche. Keine Angst vorm Blick über den eigenen Tellerrand! Da fällt man genauso wenig runter, wie beim Übertreten der Horizontlinie ;-)